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WZ, 28.5.2019 - Seltene Innenansichten aus dem Zen-Kloster
Dr. Adrian Tavaszi berichtet bei Matinee vom Sog der Stille – Aufnahmen hinterlassen auch mulmiges Gefühl
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Eine Matinee zur Geschichte und Praxis des Zen mit Dr. Adrian Tavaszi gab in Hachenburg geistreiche Impulse. Die Mitveranstalterin des spirituellen Festivals, Annesuse Ganseforth, hatte den Religionswissenschaftler in den Salon der „Neuen Galerie“ eingeladen.
Zunächst verortete Tavaszi die Praxis des Zen im Kontext des gesamten Buddhismus. Er beschrieb den Weg des Zen von Indien über China bis Japan, seine Weiterentwicklung durch verschiedene Schulen und Kulturen. Tavaszi klärte einige Begriffe dieser Lehre des „Nicht-Selbst“ und machte auf falsche Schlussfolgerungen des Westens aufmerksam, der darin eine verneinende Philosophie zu entdecken glaubte. Der Hauptaspekt seines Vortrags lag allerdings auf
der spirituellen Praxis, dem ZaZen, dem Sitzen in der Gedankenstille. Seltene Filmaufnahmen aus der Praxis der Mönche lösten bei den Zuschauern ein mulmiges Gefühl aus. Härte, Kälte, Schläge, Schlafentzug, mitleidlosen militärischen Drill, bekamen sie zu sehen. Er selbst habe auch ein sehr mulmiges Gefühl bei seinen Klosteraufent- halten gehabt, gab Tavaszi zu, der über 20 Jahre Zen-Praxis verfügt.
Er zog einen Vergleich zu Fremdenlegion und Gefängnis. Zen sei auch so ein Männerding, wer das eine Zeit lang durchmache und zum zweiten Mal ins Kloster käme, sei meist für immer verloren, ihn selbst habe nur die Liebe zu seiner Frau davor bewahrt. Warum dann, wurde gefragt. Weil es auch einen starken Sog ausübe, deutete Tavaszi an. Längst waren Vortrag und Diskussion an dem Punkt angelangt, wo der Verstand und rationales Bewerten an seine Grenzen gelangt. Um so spannender wurde es. Es war ungeheuer mutig von Tavaszi, den Versuch zu unternehmen, den Geist des Zen andeutungsweise zu vermitteln, der so weit entfernt ist von jeder spirituel- len Wohlfühlesoterik und sich der rationalen Analyse entzieht. Genau das sei auch sein Problem gewesen, schilderte Tavaszi.
Als wissenschaftlicher Kopfmensch habe er große Krisen erlebt, durch die ihn sein Meister erfahren und behutsam geleitet habe. Die Meister-Schüler-Beziehung hob Tavaszi stark hervor. ZaZen ohne Anleitung durch einen Meister zu üben, sei nicht ratsam, sogar
gefährlich, warnte er. „Und was ist mit der Erleuchtung, haben sie Erleuchtete getroffen?“, wollte man von ihm wissen. Gewiss, das habe er. Ruhige Menschen, ganz gegenwärtig, klar im Geist und den Mitmenschen zugewandt.
„Wer das Licht wendet und zurückstrahlen lässt, ist erleuchtet“, zitierte er eine Zen-Weisheit. Physikalisch ist das unmöglich, sonst könnte man Laserschwerter bauen. Die von der geheimnisvollen Macht durchdrungenen Jedi-Ritter des Star-Wars-Universums seien wohl auch vom Zen inspiriert, merkte Tavaszi augenzwinkernd an. Mit der dringenden Bitte, um ein Wie- dersehen, entließ ihn sein faszi- niertes Publikum. Vielleicht beim spirituellen Festival „Frühlings Erwachen“ im nächsten Mai. bud