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WZ, 10.1.2020 - Wie sich die Germanen vor wilden Göttern und Bestien schützten
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Mythologie-Experte referiert zu den Raunächten
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christian_kordas_internet.pngZwölf Nächte liegen zwischen den Jahren, zwischen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und dem 2. Januar. Raunächte werden sie genannt, und Christian Kordas, Experte für nordische Mythologie, erklärte im Salon der „Neuen Galerie“ in Hachenburg, welche Vorstellungen die Germanen mit dieser Zeit verbanden, wie sie zum Teil christlich überformt wurden und sich in Volksbräuchen und Märchen unserer Zeit spiegeln.
Der Name, erklärte Kordas, leite sich entweder von Ruch ab, was soviel wie haarig bedeute und im Wort Rauchwaren für Pelze stecke und auf die mit Fellen und Tiermasken verkleideten Perchten verweise, die im Brauchtum einiger süddeutscher Regionen verwurzelt sind. Er könne aber auch auf die zur Wintersonnenwende üblichen Räucherzeremonien deuten oder sich vom Verb raunen, in die Zukunft schauen ableiten. „Runen raunen rechten Rat“, zitierte Kordas einen alten Weisheitsspruch. Die Germanen maßen ihr Kalenderjahr mithilfe der Sonne und des Mondes. Zwischen dem Mondjahr und dem Sonnenjahr besteht eine Diskrepanz von zwölf Tagen und Nächten. Eine Zwischenzeit, in der die Grenzen zwischen den Welten besonders durchlässig waren, wie es die nordischen Mythen erklären.
Während einige Körnchen Weihrauch in der Räucherschale schmolzen, erfuhren die Zuhörer, was Frau Holle mit den Raunächten zu tun hat und welche Vermeidungsbräuche es gab, zum Beispiel „keine Wäsche waschen“. In den Raunächten zeigte sich die „Wilde Jagd“. Je nach Tradition angeführt von Wotan auf seinem achtbeinigen Schimmel oder von Frau Holle. Mit Sturmesbrausen, Peitschenknallen und Hundebellen kündigte sie sich an, erschreckte Mensch und Tier, sorgte aber auch für das Wachstum der Saat. Nicht nach oben schauen, im Haus bleiben, sich ruhig verhalten, kein Garn spinnen, kein Korn dreschen, nicht pfeifen noch Türen knallen und vor allem keine Wäsche hinaushängen, das waren dann die Maßnahmen. Verfing sich die „Wilde Jagd“ in einem gespannten Laken, dann wurde es im nächsten Jahr zum Leichentuch für einen nahen Verwandten.
Die Zeit zwischen den Jahren war bei den Germanen eine stille Zeit. Wie auch heute noch, wo sie eine christliche Verlagerung von Weihnachten bis zum Dreikönigstag erfahren hat. Im Widerspruch dazu stehe die Praxis einiger neuheidnischer Gruppen, die zur Wintersonnenwende mythisch aufgeladene Orte wie die Externsteine oder alte Eichen in der Natur aufsuchen, um dort Rituale zu vollziehen. Die Germanen hätten bei Feuerschein in ihren mit Misteln und Grünzeug geschmückten Langhäusern gesessen. Draußen war es nicht geheuer. Götter und Naturgeister wurden mit Opfergaben milde gestimmt. Im Wald lief man Gefahr, sprechenden Tieren wie dem Wolf zu begegnen. Es gibt Räucherwerk und Kräuterzeug, das solche mythologischen Vorstellungen halluzinogen befeuert. Die Zuhörer im Galeriesalon wurden aus ihrer leichten Trance gerissen, als die Weihrauchschwaden den Rauchmelder erreichten. Wotans „Wilde Jagd“ war vorübergezogen, aber es lagen noch viele Fragen in der Luft, denen sich Kordas ausführlich mit seinem Fachwissen annahm.