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WZ, 26.10.2019 - Von Göttern, Gnomen und Getränken
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Die Mythologie der Germanen war Thema eines Vortrags von Christian Kordas
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Hachenburg. Irgendwie sind sie ja doch unsterblich, die Götter der altgermanischen Sagas. Sie zappeln im Schicksalsnetz der Nornen, die ihre Fäden scheinbar in unsere Zeit hinein weiterspinnen. Die Bezüge sind vielfältig und erklären vielleicht das große Interesse, das Christian Kordas' Vortrag im Salon der Neuen Galerie in Hachenburg fand.
Welches Bild von der Welt hatten die Menschen, die diesen Göttern opferten? „Sie waren schicksalsgläubig, hingen einem Ahnenkult an und empfanden die Natur als beseeltes Gegenüber“, erläuterte Kordas. Trotz des starken Naturbezugs handelte es sich dennoch nicht um eine Naturreligion. Das Schicksal war auch nicht unabänderlich, sondern konnte durch die Tat verändert werden. Über den Tatenruhm schließt sich der Kreis zu den Vorfahren und dem Ahnenkult. Nach dem Tod landete man in der Unterwelt Hel, in Walhalla oder Folkwang – je nachdem, wie man gestorben war. „Am Ende entscheidet sich dann alles im großen Weltenkampf Ragnarök, der Apokalypse“, so Kordas.
Im zweiten Teil seines Vortrags ging der Referent auf die sakralen Kulte und Rituale ein. Die Feste folgten einem der Natur gemäßen Jahreskreis. Das Erreichen der Sonnenwendekreise im Sommer und Winter sowie die Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinoktien) im Frühjahr und Herbst wurden kultisch begangen. Anfang November feierte man ein Totenfest, das heute in Halloween-Bräuchen weiterlebt und im Allerseelenfest christlich überformt wurde.
Des Weiteren gab der persönliche Lebenskreis mit Geburt, Hochzeit und Tod Anlass für feierliche Rituale. „Eine Priesterkaste gab es nicht, magische Rituale und schamanische Praktiken waren eher die Ausnahme“, betonte Kordas. Familienoberhäupter und Sippenälteste waren es, die den einfachen Ritualen vorstanden. Speise- und Trankopfer waren die Regel beim sogenannten „Blot“. Nicht nur den Göttern wurde geopfert, sondern auch niederen mythologischen Wesen wie Gnomen, Schwarzalben und Elfenwesen. Das kreisende Trinkhorn und seine berauschende Wirkung standen oft im Mittelpunkt eines Rituals, das „Sumbeln“ genannt wurde. Dabei wurde reihum getrunken, und jeder konnte gedenkende Trinksprüche, Fürbitten und Segnungen äußern.
Zum Schluss ging Kordas noch kurz und sehr allgemein auf neopagane, also dem Neuheidentum entstammende Bewegungen ein, die die heidnischen Kulte in Musik und Ritual wieder aufleben lassen. Hiebei sei es schwierig, die Grenze zwischen neuheidnischen Traditionen und Esoterik zu ziehen, so der Referent. Der Vortrag endete in einer angeregten Fragerunde, und dank der Galeriegastronomie konnte auch gesumbelt werden.
Am Sonntag, 29. Dezember, wird Christian Kordas in der Neuen Galerie auf die Rituale in den Raunächten „zwischen den Jahren“ eingehen. Beginn ist um 17 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro.