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WZ, 09.10.2019 - Helle Freude an sinnstiftendem Unsinn mit „Momentum“
momentum_zeitung.pngAm Tag der Deutschen Einheit trat im Salon der Neuen Galerie in Hachenburg die regionale Künstlergruppe Momentum auf, die sich besonders durch ihre Heterogenität auszeichnet. Dany Keller betrieb 40 Jahre lang in München eine angesagte Galerie, in der sich die zeitgenössische Avantgarde die Klinke in die Hand gab. Sie arbeitete mit Loriot, Achternbusch, Kippenberger und John Cage zusammengearbeitet. Ihre Erlebnisse mit den teilweise schwierigen Künstlern, ihren Unberechenbarkeiten und antibürgerlichen Attitüden, kolportiert sie auf vergnügliche Weise und bietet so, unabhängig vom Werk, über die Hintertreppe einen Zugang zu den Künstlerpersönlichkeiten.
Frank Breburda ist Hypnotherapeut und tritt als klassischer Liedermacher auf. Handgemachte Musik, echte Gefühle, Sehnsüchte und Träume, klare Gedanken und gute Stimm- und Gitarrentechnik zeichnen seinen Vortrag aus.
Marko Rörig bezeichnet sich selbst als freier Dichter und Denker. Seine Texte sind ebenso kafkaesk wie donaldistisch. Mit knappen adjektivischen Beschreibungen skizziert er seine Figuren und lässt sie scheinbar normal interagieren. Man muss aber stets gewärtig sein, dass einer eine Plastikpistole zieht und seinem Gegenüber wie in einem Looney-Tunes-Cartoon grundlos einen Gummipfropfenpfeil auf die Stirn schießt. Der Zuhörer kann dabei bequem die Position von Kojote Karl im freien Fall im Canyon einnehmen - in geringem, aber gleichbleibenden Abstand gefolgt von einem Felsbrocken. Ein schmerzfreier und schwereloser Zustand. Die unvermeidbare Pointe verschweigt Rörig sicherheitshalber meistens.
Als Brückenbauer bezeichnet sich der umtriebige Malermeister Horst Liedke. Er sprüht vor Ideen und ist nach eigenen Angaben immer verliebt, was die Logik seiner Gedankenskizzen und Gedichte mitunter ins Surreale verzerrt. In charmanter Moderation hat er seinen Kollegen den roten Teppich zur Bühne ausgerollt.
Die Zuschauer waren sich einig, dass der Abend ausgesprochen angenehm war. Das lag vor allem daran, dass kein Lachzwang bestand, wie bei vielen Comedy-Veranstaltungen mit einer Pointendichte von 30 Gags pro Minute, bei denen man sich entweder das Zwerchfell oder das Gemüt verrenkt. Die Geheimzutaten von Momentum waren Humor und heitere Gelassenheit sowie eine helle Freude an sinnstiftendem Unsinn. Kurzum: Es war ein Kleinkunstkonzept, das aufging.