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WZ, 10.10.18 - Ein Plädoyer für die spirituelle Bildung

Östliches und westliches Gedankengut begegnen sich bei Symposium in Hachenburg

Von Matthias Budde

wz__10.10.28_pressebild.pngFäden, die beim spirituellen Festival in Hachenburg geknüpft wurden, hat ein religionswissenschaftliches Symposium im „Salon der Neuen Galerie“ wieder aufgenommen. Annesuse Ganseforth hatte Professor Dr. Wolfgang Gantke und Dr. Adrian Tavaszi (beide Goethe Universität Frankfurt) zu Impulsreferaten und moderiertem Gedankenaustausch eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bewusstseinsforscher und Verleger Andreas Mascha. Dieser hat „Das seiende Nichts“ von Balavat verlegt, dem die Neue Galerie gemeinsam mit seiner Partnerin Renate von Charlottenburg gehört, deren Kunstwerke die Räumlichkeiten prägen. „Ein ganz besonderer Ort“, das war die einhellige Meinung der Referenten und Besucher.

Thema der Veranstaltung war die Lehre des indischen Weisheitslehrers Sri Aurobindo, auf den die Methode des Integralen Yoga zurückgeht, sowie dessen Relevanz für die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung des Menschen. Mascha führte kurz in Leben und Werk Aurobindos ein. 1852 in Kalkutta geboren, erhielt Aurobindo seine Erziehung und Ausbildung in England. Zurück in Indien lehrte er als Professor für englische Literatur und beschäftige sich mit den eigenen Traditionen, insbesondere mit dem spirituellen Yoga. Dies unterscheidet sich stark von den gymnastischen Entspannungsübungen, die im Westen geläufig sind. Aurobindo entwickelte den Yoga weiter zu einer evolutiven und universellen Zusammenschau, in der alle Dualismen wie Geist/Materie aufgehoben und in einem „supramentalen Bewusstsein“ erkannt werden können.

Da Professor Dr. Harald Seubert (Theologische Hochschule Basel), der eigentlich als dritter Referent geladen war und der die weltphilosophische Perspektive Aurobindos beleuchten wollte, kurzfristig ausfiel, hatten die beiden anderen Experten etwas mehr Zeit. Kompliziert und vielschichtig genug war ihr Gegenstand allenthalben. Professor Gantke versuchte einen interkulturell religionswissenschaftlichen Zugang zur Philosophie Aurobindos. Aus dieser Außenperspektive erläuterte er Aurobindos Gedanken einer spirituellen Evolution, sein Unendlichkeitsverständnis und seine methodische Überwindung von Grenzen. Dieses Denken zeige einen möglichen Ausweg aus humanegoistischer Eurozentrik und Anthropozentrik.

Adrian Tavaszi ging die indoeuropäische Kultursynthese von der anderen Seite an. Er untersuchte das Integrale Yoga im Kontext des Hinduismus und der indischen Moderne. Tavaszi zeigte, dass die Pluralität im Hinduismus ein Einheitsdenken nicht ausschließt. Den Yoga definierte er als ein Zur-Ruhe-Kommen der Aktivitäten des Geistes, als eine Verbindung des individuellen Selbst mit dem höchsten Selbst auf einer Wahrheitsebene, die über der Verstandesebene liegt. Das moderne Indien habe viel von den Ideen des Westens profitiert, der Transfer sei allerdings leider einseitig und die westliche Moderne habe es verpasst, von der indischen Tradition zu lernen. Spirituelle Bildung sei wichtig und oft vernachlässigt.

Dann wurde der westöstliche Diwan für das Publikum geöffnet. Gläubige Anhänger des Gurus, aufgeklärte Skeptiker, spirituelle Utopisten und pragmatische Realisten begaben sich in eine sich immer schneller drehende Gedankenspirale. Ob supramentales Bewusstsein erreicht wurde, ließ sich nicht ausmachen. Die Mägen der Diskutanten befanden sich allerdings in einer Abwärtsbewegung, und so klang der Abend bei Gesprächen und indischem Essen aus. Von Hachenburg, dessen Kulturarbeit ins Weltoffene zielt, ging durch das Symposium auch „ein wichtiger Impuls in die wissenschaftliche Community aus“, freute sich Annesuse Ganseforth.