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WZ, 2.5.18 - Wissenschaftler wagen Schritte über Grenzen
Referenten stellen beim spirituellen Festival in Hachenburg neue Denkmuster vor

Von  Matthias Budde

Hachenburg. Mit einem ayurvedischen Frühstück im Neue Galerie Café haben sich die Teilnehmer des spirituellen Festivals „Frühlingserwachen“ in Hachenburg für einen Vortragsmarathon gestärkt. Der Religionswissenschaftler Professor Wolfgang Gantke (Goethe Universität Frankfurt) untersuchte dabei das unzerstörbar Heilige im Menschen und in der Natur. Die Biologin und Festival-Mitveranstalterin Birgit Henrich spürte den aufregend neuen Denkansätzen nach, die sich aus der Deutung der Quantenphysik ergeben.

Gantke stellte zunächst eine Zeitdiagnose. Die Indifferenz nehme zu, immer mehr Menschen seien „religiös unmusikalisch“. Und auf der anderen Seite erstarkten ein kämpferischer Atheismus und Fundamentalismen. Im Spannungsfeld zwischen rationaler Erkenntniswahrheit und spiritueller Wahrheit stellte Gantke die Frage nach einer unbedingten Wirklichkeitsdimension. Diese Frage sei nicht objektivierbar, erläuterte Gantke, aber der Mensch als Homo Religiosus mit seiner Fähigkeit zur Transzendenz könne diese Dimension zumindest in Annäherung erfahren.

Solche Erfahrungen seien in allen Religionen, auch in denen ohne Gottesbezug, nachweisbar. Gantke sieht darin auch ein Indiz für eine spirituelle Evolution, die sich parallel zur materiellen entwickele und deren Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit von größerer Bedeutung sei, als materieller Fortschritt. Der individuelle Egoismus müsse dabei ebenso überwunden werden, wie der Anthropozentrismus der gesamten Menschheit. „In vielfacher Weise beginnen wir erst, die Wahrheit der Religionen anzuzapfen.“

Auch Birgit Henrich ist der Auffassung, dass knapp hundert Jahre nach der mathematischen Beschreibung der Physik atomarer Teilchen, die Folgen für unser Denken und Fragen gerade erst am Anfang stehen. Aus der Erkenntnis, dass Materie sich im Kleinen völlig anders verhält als Kugeln auf einem Billardtisch, die deterministische Kausalität scheinbar nicht mehr gilt, ja sogar die Beobachtung und die experimentelle Fragestellung Einfluss auf das Verhalten der Materie haben, sollte sich auch unser Denken in Bezug auf Ökologie, Ökonomie und Soziologie verändern.

Henrich veranschaulichte das am Welle-Teilchen-Dualismus des Doppelspaltexperimentes. Wir lösen uns zu langsam aus überkommenen Weltbildern, die nicht mehr in der Lage sind, unsere Wirklichkeit zu beschreiben, geschweige denn Probleme zu lösen, sagt sie. „Probleme können nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der sie entstanden sind“, meint Henrich. „Fatalismus ist Fantasielosigkeit“, zitiert sie den Physiker und Heisenbergschüler Hanns-Peter Dürr, auf dessen „Netz des Physikers“ sie sich bezieht. In der Homöopathie verfolgt Henrich diesen ganzheitlichen Denkansatz schon länger und auch sie erkennt eine Tendenz des Zusammenwachsens von spiritueller und wissenschaftlicher Erkenntnis.

Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 2. Mai 2018, Seite 25