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WZ, 3.5.18 - Ethnobotaniker wirbt für achtsamen Blick auf Bäume
Zum Ende des spirituellen Festivals ging's noch einmal hinaus in die Natur

Von Matthias Budde

Hachenburg. Der letzte Vormittag des spirituellen Festivals stand im Geist der Bäume. Da diese ortsgebunden sind, erwartete der Ethnobotaniker und Baumexperte Fred Hageneder seine Gruppe an der Nisterbrücke in Marienstatt. Nach kurzer Einführung über Wesen und Kommunikation der Bäume entließ Hageneder die Teilnehmer mit der Aufforderung zur Achtsamkeit in den Wald, um sich einen Baum zu suchen und bei ihm zu verweilen. „Bäume leben in einer ganz anderen Welt als wir und kommunizieren auch anders. Wenn Sie den Baum um Rat fragen, welchen Föhn Sie kaufen sollen, werden sie keine Antwort erhalten. Falls doch, ist größte Vorsicht geboten“, warnt Hageneder schmunzelnd.

Er spricht auch von der natürlichen Scheu, für einen Spinner gehalten zu werden, aber die Menschen eilen achtlos an den Teilnehmern vorbei, die jetzt mit dem Rücken an Bäumen lehnen und den Energien nachspüren. Große Antennen seien die Bäume, die unablässig kosmische Energie in die Erde leiten. Die Naturmystik des Fred Hageneder wirkt wahr und echt, weit entfernt von spleeniger Egozentrik oder Spinnerei. Das strahlt er aus – und das spüren auch die Gruppenmitglieder, die Hageneder jetzt mit einer kleinen Glocke zurückruft. Erlebt haben sie alle etwas: Traurigkeit, Einsamkeit, Einheitserfahrungen, Energie, vor allem die Frische dieses Maienmorgens, und so freuen sich alle, dass es nun im warmen Vogtshof weitergeht.

Dort wird es zunächst botanisch. Hageneder erklärt den Stoffwechsel und Energiehaushalt der Bäume und die Bedeutung des Waldes für den Superorganismus Erde. Im Wald gibt es nicht nur Konkurrenz um Licht und Nahrung, sondern auch Kooperation. Randständige Bäume in ungünstiger Position werden von den anderen miternährt. Anschließend geht Hageneder auf die Besonderheiten einzelner Arten ein. Die Eibe wurde durch die mittelalterliche Rüstungsindustrie zur Herstellung von Langbögen beinahe ausgerottet. 800 Jahre später ging es ihr wegen der Verwendung ihres Giftes als Krebsmedikament an die Rinde.
Der erstaunliche Baum, der hohl wird und in der Mitte einen neuen Stamm bildet, hat auch in Mythologie, Kultus und Kunst von den Kelten ab eine große Rolle gespielt. Zu jedem vorgestellten Baum hat Fred Hageneder eine Melodie für Harfe komponiert, mit der er die Energien des Baumes mitteilt, aber auch zwei Eichhörnchen fröhlich fiepend zu Wort kommen lässt.
Wahrscheinlich wird man nach diesen Stunden den Bäumen mehr Beachtung schenken. Sie nicht nur unter dem Aspekt des Nutzens und Nehmens betrachten, sondern etwas zurückgeben wollen. Genau das ist Hageneders Mission.

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 3. Mai 2018, Seite 18