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WZ, 07.05.13 - Physiker erklärt im Neue Galerie Café den Wandel des Zeitbegriffs
grupen_fu__776_r_presse.jpgEin Frühstück mit Kaffee, Milchbrötchen und Zeitreisen
Mit dem Biss in ein Milchbrötchen begann für Marcel Proust die „Suche nach der verlorenen Zeit“. Dass die Frage nach dem Wesen der Zeit auch ohne diese psychologische Komponente eine spannende Reise zum Kern physikalischer Welterklärungsmodelle eröffnet, zeigte der Teilchenphysiker Prof. Dr. Claus Grupen (Uni Siegen) im Neue Galerie Cafe Hachenburg. Zeit ist, was die Uhr misst, sagt der Physiker. Mit Sonnen-, Wasser- und Atomuhren kann man dies in unterschiedlicher Genauigkeit tun. Aber Messgenauigkeit ist nicht das Problem. Die klassische Physik geht davon aus, dass Zeit und Raum absolute, voneinander unabhängige Größen sind. Albert Einstein stellte 1905 seine spezielle Relativitätstheorie auf, die heute zweifelsfrei bewiesen ist, aus der unter anderem folgt: bewegte Uhren gehen langsamer. 1915 zeigte Einstein in der allgemeinen Relativitätstheorie, dass auch Gravitationsfelder Einfluss auf Zeit und Raum haben. Uhren in Erdnähe gehen langsamer als in größeren Höhen. Wüssten wir das nicht, kein Navi brächte uns zum Ziel.
Von 1920 bis 1930 beschrieben Werner Heisenberg, Erwin Schrödinger und Paul Dirac in unterschiedlicher mathematischer Formulierung die Quantenmechanik. „Wer behauptet, die Quantenmechanik verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden“, zitiert Grupen Nils Bohr und sagt: „Wir können es ausrechnen, aber unserer Anschauung entzieht es sich.“ Heisenberg wies nach, dass man aus Prinzip und nicht aus Mangel an geeigneten Messinstrumenten, Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens nicht gleichzeitig genau bestimmen kann. Mit seiner Unschärferelation gelangte er an die Grenze theoretischer Erkenntnismöglichkeit.
Im sehr Kleinen und sehr Großen gehen die Uhren anders. Der Mensch blickt darauf aus der Frosch- beziehungsweise der Vogelperspektive, häufig als fliegender Frosch oder kriechender Vogel, aber immer getrieben vom Drang, unser Universum vollständig zu erklären. Grupen ging noch auf die Fragen nach Paralleluniversen, Zeitreisen, und Wurmlöchern ein, dabei schied er Fakten von Fiktion und radikalen Positionen, wie jene, dass die Zeit eine Illusion sei. „Zeitreisen in die Zukunft gehen auch ohne Wurmlöcher“, sagte er, „sie erfordern keine Überlichtgeschwindigkeit und sind im Rahmen der Relativitätstheorie zulässig“, Besuchen in der Vergangenheit steht er, anders als Stephen Hawking, skeptisch gegenüber, wurde aber aus dem Publikum mit der vor mehr als siebzig Jahren verworfenen „Äthertheorie“ konfrontiert.
Fest steht, Raum und Zeit sind dynamische Größen, je nach Ort und Art seiner Bewegung, hat jedes Teilchen seine eigene Zeit. Den Zuhörern im Neue Galerie Cafe verging die Zeit wie im Flug, vielleicht auch dank der Milchbrötchen, die es zum Frühstück gab.