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RZ, 28.09.2002 - Eröffnung
Batman und Barbie in fröhlichem Bunde
Neue Galerie in Hachenburg eröffnet mit skurrilen Werken des "Supra-Avantgardisten" Bãlavat

ero__776_ffnung.pngHACHENBURG. Ein Ameisenhaufen aus kleinen Ästchen und Tannennadeln, auf und in dem winzige Menschlein wuseln; ein Vogelpaar, das nur darauf zu warten scheint, die menschlichen Ameisen zu verspeisen, während die nichts Besseres zu tun wissen als eifrig um die Münzen herumkrabbeln, die ein gullivergroßer Garterzwerg aus seinem Korb verloren hat. Die mit Zapfen, Wurzeln und Pilzen garnierte, von Schäfchenwolken und Himmelsblau überwölbte Waldszenerie ist eine Arbeit des im Westerwald lebenden selbst ernannten "Supra-Avantgardisten" Bãlavat, zu sehen jetzt in der frisch eröffneten Neuen Galerie in Hachenburg.
Möglicherweise von Schwellenangst Geplagten verhilft in dem schmalen Haus ein zur Galerie gehörendes Café zum problemlosen Einstieg in Kunst. Die hängt und steht denn auch gleich zum Greifen nah gegenüber, wie eben der waldige Ameisenhaufen, perfekte Alternative zum röhrenden Hirsch über heimeligem Sofa. So richtig idyllisch ist Bãlavats Werk aber eben nur auf den ersten Blick, auf den zweiten fängt's hinter der spielerischen Fassade der ihre Nähe zu den Dadaisten nicht leugnenden Materialbilder und Objekte regelrecht an zu brodeln, geht es um Existentielles, um Leben und Tod, Lieb und Leid, Gut und Böse.
Wenn sich Bãlavat in seinem dem Sanskrit entlehnten Namen auch "wie ein Kind" gibt, ist er doch alles andere als naiv oder artig. Aus Püppchen und Plüschtieren, Kitschigem und Kuriosem, aus Zwei- und Dreidimensionalem errichtet er sich nach der Methode: Weshalb schlecht malen, was als Gegenstand gut gegeben ist, sein eigenes skurriles, tiefgründiges Universum.
Schwer zu entscheiden, ob das Ergebnis Spielwiesen der Fantasie, Bühnen eines spleenigen Puppenspielers oder Altärchen eines unverdrossen nach göttlichem Plan Forschenden sind, Experimentierfelder eines verspielten Philosophen oder philosophischen Spielers. Den Pfad der Logik verlässt Bãlavat in jedem Fall wild entschlossen, um stattdessen in seinen Arbeiten und Texten unerschrocken auf den verschlungenen Wegen des Unterbewussten zu wandeln.
Dabei ist ihm (fast) jedes Mittel recht: der mittels Möhre am rechten Ort zum Symbol der Sinnlichkeit mutierte Stoffhase genauso wie die von Batman auf drehender Scheibe verfolgte oder von Hekate- Barbie ans goldene Leinchen genommene Wildsau, Inkarnation eigentlich ungezähmter Begierde, der Spielzeugrennwagen alias Geistesblitz genauso wie die Babyborns, die ins unerbittlich immer wieder gähnende schwarze (Schweine)-Loch abzustürzen drohen - nicht weniger gefährdet wie die Mäuslein, die der Katz andächtig lauschen und dabei vom Greifvogel geholt werden. L. Sauer-Kaulbach
Hachenburg, Wilhelmstr. 19, geöffnet Sa/So 14-18 Uhr. Infos: 02662/944842.