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WZ, 1.03.13 - Matthias Budde spielt ein Wintermärchen
Lesung setzte Heines Text frisch in Szene
budde_heine_fu__776_r_presse.jpgSchwarz, Rot und Gold sind die vorherrschenden Farbtöne im Bühnenbild, aber in die Melodie von Robert Schumanns „op. 136“ weben sich die Klänge der „Marseillaise“. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit trafen auf Zensur, Obrigkeitsstaat und Missgunst, als Matthias Budde in Hachenburg zur inszenierten Lesung von Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ bat.
1843, nach 13-jährigem Pariser Exil, reiste Heine in das Deutschland des Deutschen Bundes, der Kleinstaaterei. Er reiste vom Rhein nach Hamburg, wo die Mutter lebte, die Schwester und sein Verleger Julius Campe. Das Leben in Deutschland „hat sich nicht sehr verändert“ konstatierte Heine und ließ kein gutes Haar am Land, von Rheinwein und Austern vielleicht einmal abgesehen.
Nicht nur missliebige Zeitgenossen, die heute kaum einer mehr kennt, kritisiert er – Budde ersetzte diese zum Teil, zum Beispiel durch Joachim Kardinal Meißner oder Gerhard Schröder. Heine greift vielmehr tief in die deutsche Seelen- und Ideengeschichte, in den Sagen- und Märchenschatz des Volkes. Dort liegt die Aktualität des Textes, und dort setzte daher auch die inszenierte Lesung von Matthias Budde an.
Das heutige Deutschland hat sich zwar sehr verändert, aber die Geisteshaltungen und Ideen, die hinter den damaligen Missständen standen und die zu weitaus größeren Übeln im Verlauf der deutschen Geschichte geführt haben, bedrohen die offene Gesellschaft immer noch. Im Kackstuhl Karls des Großen schaut Budde würgend die deutsche Zukunft an, bis ihm schwarz vor Augen wird oder rot, jedenfalls nicht golden. Im Gespräch mit Barbarossa im Kyffhäuser blitzt der geifernde Hass nationaler Volksverhetzer auf. Die politisch belanglose, anbiedernde, demagogische Rede vor einem Rudel Wölfe könnte einem Rhetoriklehrgang für angehende Staatsmänner entstammen. Wenn der preußische Adler schließlich von der Stange geschossen wird und an schwarz-rot-goldenen Ballons kopfüber in die Höhe steigt, zeigt sich auf der Rückseite der Bundesadler. In der Zugabe der Lesung änderte Budde die Reiseroute Heines dann etwas ab und ließ ihn in Hachenburg Station machen.